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19.08.2017
20:32Uhr
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Zur Geschichte des Naumburger Kirschfestes

Der Ursprung des Kirschfestes ist nicht völlig klar. Historiker streiten sich, ob es auf einer wahren Begebenheit beruht, oder ob findige Naumburger Kaufleute dieses Fest ersonnen haben, um ihren Umsatz anzukurbeln. Fest steht aber, dass es sich um eines der schönsten und traditionsreichsten Feste Mitteldeutschlands handelt.

Nach der Überlieferung geht das Kirschfest auf die Belagerung der Stadt Naumburg im Jahre 1432 durch die Hussitten zurück. Diese Überlieferung klingt auch plausibel, wenn man bedenkt, dass auch der damalige Naumburger Bischof für die Hinrichtung von Jan Hus gestimmt hatte. Der einzige Schönheitsfehler ist die Tatsache, dass sich die Hussittenschaaren nicht in der Nähe Naumburgs aufgehalten haben. Wie dem auch sei - es existiert eine einhellige Überlieferung der Geschichte wie die Hussitten die Stadt Naumburg verschont haben:

Nachdem Jan Hus hingerichtet worden war, zogen seine Anhänger, die Hussitten, durch Europa und rächten seine Hinrichtung. Auch vor der Stadt Naumburg wollten Sie nicht halt machen. Als sie in Naumburg ankamen, mussten sie feststellen, dass diese Stadt ob ihrer starken Mauern und bewehrten Stadttore nicht so leicht zu nehmen war. Und so verlegten sie sich auf die damals recht beliebte Methode des Belagerns. Nach einiger Zeit zeigte dies auch Wirkung. Die Menschen in Naumburg litten an Hunger und es bestand die Gefahr von Seuchen. Niemand konnte etwas dagegen unternehmen - die Situation schien schier aussichtslos. Nach der Überlieferung war es der Schullehrer, der in seiner Verzweiflung die rettende Idee hatte: Er zog seinen kleinsten Schülern Leichenhemden an und zog mit diesen Kindern vor die Tore der Stadt zum Heerführer der Hussitten, Prokop dem Großen. Tatsächlich geschah das Wunder. Der so brutale und kriegserfahrene Prokop konnte den Anblick der ausgemergelten Kinder nicht ertragen und da es Juni war, gab er den Kindern kurzerhand das zu Essen was ihm als erstes zur Hand war: vor den Toren der Stadt waren das Kirschen. Doch der Prokop hatte damit noch nicht genug des Wundersamen getan - er kommandierte sein Heer von der Stadt Naumburg weg, jedoch nicht bevor er mit dem Bürgermeister der Stadt einen Vertrag über den Waffenstillstand geschlossen hatte.

In der heutigen Zeit wird das Fest noch immer auf der städtischen Festwiese, der Vogelwiese, gefeiert. Auf diesem Festplatz werden von verschiedenen Naumburger Vereinen und Persönlichkeiten Festzelte aufgestellt und Veranstaltungen organisiert. Seinen Höhepunkt erlebt das Fest im historischen Festumzug und der Peter-Pauls-Messe, an denen jedes Jahr viele freiwillige Darsteller teilnehmen.

Der Umzug erlebt seinen Höhepunkt in den Darstellungen der Herold- und der Prokopen-Szene auf dem Marktplatz: Nach der Überlieferung haben der Bürgermeister und Prokop der Große Ihren Waffenstillstands-Vertrag durch das Lehren eines Bechers Wein besiegelt. Während der Szene müssen der Darsteller des Prokopen und der jeweilige Bürgermeister diesen Becher Wein bis auf den letzten Tropfen lehren - bei einem Maß von einem Liter und den an Juni-Samstag-Nachmittagen herrschenden Temperaturen für beide eine Herausforderung. Nach dieser Szene verlassen die Ratsherren die Tribüne und ziehen mit dem Rest des Umzugs auf die Vogelwiese, wo die Feier bis in die späten Nachtstunden andauert.

Das Rathaus
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Die Rudelsburg
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Uta und Ekkehard
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Die Neuenburg
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Die Hennebrücke bei Naumburg
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