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27.06.2017
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Der Kirchenraum und die kunsthistorischen Werte

Das Hauptportal

Eine Vorhalle umschließt das einzige monumentale Portal in den Dom, welches ursprünglich als Freiportal geplant war und in den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Es besteht aus Kalkstein, bis auf die sandsteinernen Säulenschäfte, und ist einheitlich und gleichförmig gestaltet. Das Hauptportal liegt an ungewöhnlicher Stelle, an der Stirnseite des südlichen Querhauses. Grund dafür ist die Doppelchörigkeit der Bischofskirche. Es ist ein tiefgegliedertes Stufenportal mit fünf gleichmäßigen Rücksprüngen auf jeder Seite, in die je fünf vollplastische Säulen eingestellt sind, welche von ausgezeichneten Kapitellfriesen zusammengebunden werden: links eine Reihe Adler, die mit Krallen und Schnabel den Schaftring der Säule fassen, im Wechsel mit Palmetten- Spiralranken, rechts ähnliche Ranken, die unter den Kämpferecken aus kleinen Tiermasken hervorzusprießen scheinen. Das Bogenfeld über dem Portal zeigt eine Darstellung des segnenden Christus mit Gesetzestafeln in einer Mandorla, getragen von zwei schwebenden Engeln. Die strenge und starre Frontalität des Christusbildes steht in einem auffallendem Gegensatz zu der Bewegtheit der Engel. Das archaisch anmutende Flachrelief war ursprünglich farbig gefaßt.

Die hochromanische Krypta

Wie in den geschichtlichen Ausführungen bereits erwähnt wurde, hatte man zwischen 1170 und 1180 in den ersten frühromanischen Dom unter dem Ostchor eine zweite Krypta eingebaut, deren hallenartiger Mittelraum erhalten blieb. Die ausgedehnte Anlage der Krypta besteht aus drei Räumen, einem Vorraum aus der Bauzeit des Doms, einem Mittelteil, der schon im frühromanischen Dom als Krypta diente, und einem apsidalen östlichen Abschnitt. Der älteste, mittlere Raumabschnitt der Krypta besteht aus drei Schiffen zu je drei Jochen und ist über sechs Freisäulen und acht Wandstützen kreuzgratgewölbt. In dem schönen kleinen Raum ist jeder Säulenschaft verschieden dekoriert, und das Ornament des Schafts greift jedesmal auf den Schaftring über. Meisterwerke sind auch die Kapitelle, welche den typischen romanischen Palmettendekor mit Diamantbändern zeigen. Sie gehören zu den herausragenden Leistungen hochromanischer Bauornamentik. Die Kapitelle in den anderen Teilen der heutigen Krypta sind denen der Kirchenschiffspfeiler sehr ähnlich und gehen auf die Zeit der Erweiterung der Krypta nach Osten und Westen um 1200 zurück. In der spätromanischen Apsis steht noch ein Altarblock des frühen 13. Jahrhunderts. Das dort aufgestellte hieratisch strenge, romanische Kruzifix auf dem Altar könnte für den Altar der in den frühromanischen Dom eingefügten Krypta geschaffen worden sein, denn es stammt ebenfalls aus der Zeit des Einbaus der Krypta um 1160/70.

Der spätromanische Ostlettner

Der Ostlettner wurde um 1230, noch in spätromanischer Zeit, errichtet. Er ist der älteste vollständig erhaltene deutsche Hallenlettner und wirkt wie ein Bauwerk für sich. Er trennte den Chor als Raum für die Geistlichkeit vom Langhaus, dem Raum für die Laiengemeinde. Auf diese Weise diente er der sozialen und liturgischen Abtrennung von Klerus und Volk. Die Evangelien und die Epistel wurden vom Lettner verlesen. Weiterhin war er Ort religiöser Schauspiele und liturgische Sängertribüne. Die kreuzgratgewölbte Halle mit drei Jochen wird von vier Bündelsäulen und doppelten Wandsäulen getragen. Der Schmuck der Kapitelle ist von vorzüglicher Qualität. Unter dem mittleren Joch stand der Altar St. Crucis, der Altar des heiligen Kreuzes, welcher beim spätbarocken Umbau der Kirche 1747 abgebrochen und erst 1876 in den alten Maßen und Formen wiederaufgebaut wurde. Die Türen an beiden Seiten der Rückwand des Lettners führen in den Ostchor und wurden nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Von seiner ursprünglichen Gestaltung hat der Ostlettner viel eingebüßt, denn sämtliche Fresken mit den Darstellungen von Christus, den zwölf Aposteln und heiligen Männern und Frauen in den oben an der Brüstung umlaufenden Arkaden sind vollständig erneuert.

Der hochgotische Ostchor

Der Ostchor liegt hoch über der Krypta und läßt auf den ersten Blick seine Entstehung zu verschiedenen Zeiten erkennen. Der spätromanische Ostchor wurde zwischen 1330 und 1340 nach Osten hin hochgotisch erweitert. Im Ostchor tritt der Gegensatz zwischen dem spätromanischen Quadrum und dem hochgotischen Polygon, welches aus sechs Seiten des Zehnecks besteht, deutlich hervor. Die Gesamtgestaltung richtete sich nach dem älteren Westchor. Der spätromanische Baudekor im Chorquadrat ist von bester Qualität. Hervorhebenswert ist das Rankentympanon mit dem Gotteslamm am Portal zum Nordostturm. Der Lebensbaum weist mit seinen Ranken nahezu symmetrische Formen auf, dennoch strahlt die Steinmetzarbeit eine gewisse Natürlichkeit und Frische aus. Die Fenster im Chorraum stammen zum Teil noch aus der Bauzeit und sind von beachtlicher Qualität. Sie zeigen die Klugen und Törrichten Jungfrauen, die Tugenden und die Propheten. Die hochgotischen Fenster schließen stilistisch direkt an das Augustinerfenster der Erfurter Augustinerkirche an. Die Gesamtwirkung des Raums wird wesentlich von den hohen Fenstern bestimmt. Die gestaffelte Altarwand vor dem Polygon entstand 1567. Der Altar trägt schon Züge der in Deutschland beginnenden Renaissance und verdeckt den Laufgang in Höhe der Fenster. Eine prächtige mittelalterliche Grabtumba mit der Darstellung eines Bischofs steht im Chorquadrum. Vermutlich wurde die Tumba für den Naumburger Bischof Dietrich II. geschaffen. Der Kirchenfürst regierte das Bistum bis 1272 und konnte den Dombau des 13. Jahrhunderts mit der Errichtung des Westchors abschließen. Da er sich mit der Vollendung des Domneubaus verdient machte, hat er an exponierter Stelle seine Grabstätte erhalten. Diese eindrucksvolle, vollplastische Liegefigur ist ein Spätwerk der Naumburger Werkstatt. Sie entstand um 1272 und ist ein Werk der mitteldeutschen Hochgotik.

Auch der Diakon, der ursprünglich im Westchor gestanden haben wird, gehört der Werkstatt des Naumburger Meisters an. Er fungierte als Pulthalter. Erstaunlich und beeindruckend zugleich ist seine Wirklichkeitsnähe. Die im Ostchor aufgestellten Holzpulte und das Chorgestühl entstammen mittelalterlicher Ausstattung. Die Holzpulte dienten als Ablage für die schweren Meßbücher und entstanden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, ebenso der Viersitz. Der Dreisitz entstammt vermutlich aus dem dritten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts. Das Chorgestühl an den Innenseiten der Chorschranken ist hochgotisch und wurde kurz vor 1500 geschaffen.

Der Naumburger Dom verdankt seine kunsthistorische Bedeutung den Steinmetzarbeiten eines unbekannten Bildhauers. Dieser sogenannte "Naumburger Meister" (Naumburger Werkstatt) hat nach 1250 im Dom gearbeitet und schuf hier seine Hauptwerke- den Westlettner und die Stifterfiguren.

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