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19.08.2017
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Der frühgotische Westchor

Seine Berühmtheit erlangte der Naumburger Dom durch den Westchor, welcher das erste und das großartigste Werk der frühen Gotik in Sachsen und Thüringen ist.

Dieser, nach den Prinzipien der von Frankreich kommenden reifen Gotik aufgeführte Chor im Westen, ersetzte die schon erwähnte Stiftskirche der Ekkehardinger. Der Bau des Westchors war in erster Linie aus liturgischen Gründen notwendig. Für seinen Baubeginn ist eine überlieferte Urkunde von 1249 von Bedeutung, in der Bischof Dietrich II. von Wettin die Gläubigen seiner Diözese dazu aufrief, das von den ersten Stiftern (primi fundatores) begonnene Werk fortzusetzen und es durch fromme Spenden zu unterstützen. Im Gegenzug versprach er ihnen die Vergebung ihrer Sünden und die Aufnahme in eine Gebetsbrüderschaft. Etwa bis 1260 währten die Arbeiten zum Bau des Chors unter Leitung des Baumeisters und Bildhauers, der als Naumburger Meister in die Kunstgeschichte einging. Weder sein Name noch seine Herkunft sind bekannt. Der älteren Forschung war es jedoch möglich, sein Werkeverzeichnis zu vervollständigen. Danach hat er seine Lehrjahre in Frankreich zugebracht, wo er in großen Hütten von Reims, Metz, Amiens, Nyon und Straßburg arbeitete. In Naumburg wirkte er in Gemeinschaft mit einer Bauhütte, die in den Urkunden mehrfach erwähnt wird. Der Westchor war eine Kirche für sich und wurde der heiligen Maria geweiht, nach der auch der Hauptaltar benannt wurde. Die vollendete Gotik des Westchors zählt zu den vollkommensten und reichsten Schöpfungen des Mittelalters. Die Proportionen des Bauwerks sind geradezu klassisch. Höhe und Breite stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Im kathedralhaften Innenraum leiten kräftige Dienstbündel die Last der Gewölbe auf stark ausgebildete Sockel ab. Der Grundriß des Westchors ist regelmäßig. An einen nahezu quadratischen Bauteil, der von einem sechsteiligen Rippengewölbe überdeckt wurde, schließt ein polygonaler Teil an, der aus fünf Seiten eines Achtecks gebildet ist. Licht dringt durch fünf, im Polygon eingestellte, Fenster. Drei von ihnen bestehen noch zu großen Teilen aus den Scheiben der Erbauungszeit. Ihr Bildprogramm handelt von Tod und Gericht, Tugend und Lastern. Die Farbfenster mit ihrem gedämpften Licht tragen viel zu der ruhigen Feierlichkeit dieser Kirche des Naumburger Sekundärstifts bei. Sie zählen zu den wertvollsten mittelalterlichen Glasmalereien auf deutschem Boden. Im Westchor vereinen sich neue, aus Frankreich stammende Stilelemente, wie die spitzbogigen Kreuzrippengewölbe, der polygonale Grundriß und hohe Maßwerkfenster, mit bodenständiger deutscher Bautradition. Architektur und Skulpturen bilden im Westchor eine vollendete Einheit. Die Klarheit seines Aufbaus, die Ausgewogenheit der einzelnen Glieder des Raums und seines Dekors und die weithin berühmten Stifterfiguren, die an den Diensten in Höhe des Laufgangs stehen, gehören zu den großartigsten künstlerischen Leistungen des 13. Jahrhunderts.

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